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4. Erlebnisbericht

4. BerichtM. ist unser zweites Kind. Schon früh habe ich das Gefühl, etwas stimmt nicht mit ihm. Er ist sehr pflegeleicht und ruhig, genau das Gegenteil seiner zwei Jahre älteren Schwester. Obwohl wir ein nagendes Gefühl im Hinterkopf haben, glauben wir, dieses Kind „verdient“ zu haben. Schliesslich forderte uns seine Schwester bis an den Rand des Zusammenbruchs. Mit 1 bis 3 Jahren hat M. eine Mittelohrenentzündung nach der anderen. Manchmal liegen nur fünf Tage zwischen dem Absetzen des Antibiotikums und der neuerlichen Einnahme. Ein Untersuch in den USA bringt zu Tage, dass sein Trommelfell vernarbt und dass er auf dem rechten Ohr taub ist und auf dem linken nur noch minimal hört. Er erhält Röhrchen, worauf sich seine verschwommene Aussprache bessert und seine Sprachentwicklung rasante Fortschritte macht. Wir freuen uns - und trotzdem: etwas stimmt nicht. M's Gotte ist Psychologin, ich erzähle ihr von meinen Bedenken, sie beruhigt mich, M. sei erst vier, er werde schon noch einen Entwicklungsschritt machen. In der Zwischenzeit zweifle ich an meinen Fähigkeiten als Mutter: M. schafft es nicht, an etwas dran zu bleiben, „Gänggeli-Arbeiten“ vermeidet er, am liebsten sitzt er stundenlang im Sandkasten. Bald haben wir uns daran gewöhnt, dass er ein „Schussli“ ist, das Glas beim gleichen Essen drei Mal umstösst. In der Spielgruppe kommt er das erste Mal weinend heim, ein Mädchen habe ihn „dumm“ genannt, weil er nicht zeichnen könne.Mit sechs bringe ich ihm Fahrradfahren bei, er muss es lernen, weil die Tagesmutter ausserhalb wohnt. Ich bin überrascht und irritiert: M., der sonst ständig in Bewegung ist, weint vor Angst und weigert sich bald auf das Fahrrad zu steigen. Ich überrede ihn, mache Versprechungen und bald fürchten wir beide unsere „Lektionen“. Als er es schliesslich kann, wünschte ich, er hätte es nie gelernt: Er rast schnurgerade auf Hindernisse zu, bremst kurz vorher oder gar nicht oder schrammt haarscharf daran vorbei. Er holt sich etliche Narben, ich traue mich nicht, ihn ohne Aufsicht zur Tagesmutter fahren zu lassen.Mit sechs fährt M. gut und gerne Ski, am liebsten gerade den Hang herunter. Der Skilehrer besteht darauf, dass er Bogen fährt und steckt ihm einen Slalom aus. Später meint er kopfschüttelnd: „Trotz guter Technik lässt er Tore aus, es ist, als ob er sie nicht sieht!“

M. geht eigentlich gerne in den Kindergarten, aber auch hier hört er immer wieder, er sei dumm. Wir erkennen seine Zeichnungen, ohne dass wir auf den Namen schauen müssen: Sie sind sehr rudimentär, meist schwarz oder braun. Er muss zur Logopädin und hasst es. Er hat zum ersten Mal Kopfweh, in meinen Armen schläft er erschöpft ein. Nach dem ersten Kindergartenjahr sind die Kindergärtnerin und wir Eltern uns einig, dass M. für die Einschulung nicht bereit ist. Sie erzählt von „Irritationen“, von fein- und grobmotorischen Problemen, von einem riesigen Anlauf für einen kleinen Hüpfer, von mangelnder Hand-Augen-Koordination. Eine Erklärung hat auch sie keine. Da wir uns alle einig sind, dass M. für die Schule nicht reif ist, erübrigt sich ein schulpsychologischer Untersuch. Ich bestehe darauf, dass er trotzdem untersucht wird. M. sieht und hört gut. Aber auch hier: Defizite in der Raumlage, kognitiv ist er gut ausgerüstet. In einem Jahr kann sich viel tun, trotzdem würde ihm vielleicht eine Ergotherapie gut tun. Mein Mann meint, wir könnten zuwarten, ich spreche mich für eine Therapie aus. M. geht gerne in die Ergotherapie und er mag seine Therapeutin sehr. Sie ist sich lange nicht sicher, welche Hand er bevorzugt - er zeichnet einen Kreis mit der linken Hand bis in die Mitte, für die rechte Hälfte benützt er die rechte Hand. Sie stellt fest, dass die Augenfolgebewegungen häufig abweichen, bei der Überkreuzung der Körpermitte zeige er klare Irritationen, die Konvergenz/Divergenz weiche häufig ab. Sie gibt uns einen Bericht über ADS ohne Hyperaktivität und meint, sie sehe Anzeichen dafür bei M. Wir lassen M. abklären bei der Kinderärztin, die den Verdacht bestätigt. Falls M. später in der Schule Probleme mit der Konzentration habe, könnte man medikamentös helfen. Als M.'s Therapeutin schwanger wird, benötigt man den Platz für schwerere Fälle. Ich bin nicht überzeugt, dass das Problem gelöst ist.In der zweiten Klasse sticht M. nicht gerade durch Glanzleistungen hervor, aber es geht passabel. Beim Lesen sagt er, er hätte „Blitze“ in den Augen. Als es immer wieder passiert, gehen wir zum Augenarzt. Fazit: M.'s Augen sind in Ordnung, er sieht gut.M. hat seit der ersten Kopfwehepisode immer wieder Kopfweh bis zum Erbrechen. Wegen der „Blitze“ wird er auf Epilepsie untersucht, wegen der Kopfschmerzen auf einen Hirntumor. Zum Glück sind die Befunde negativ. Die Abstände zwischen den einzelnen Episoden werden immer kürzer, das migränetypische Muster wird immer klarer. Während einer Attacke erträgt er keinen Lärm, bald auch kein Licht mehr. Seine Migräne wird zur Belastung für die ganze Familie.In der dritten Klasse fällt der Lehrerin auf, dass M. schlecht von der Tafel oder allgemein schlecht abschreiben kann. Das Aufgabenheft kann ich kaum lesen. Als mir M. eine Zeitschrift hinhält und fragt, welche Person vorne und welche hinten stehe im Bild, glaube ich, er wolle mich veralbern, denn für mich ist es offensichtlich. Er scheint es aber tatsächlich nicht zu sehen. Ab und zu sagt er, er sähe doppelt und es sei ihm schwindlig. Mir fällt auf, dass er beim Lesen regelmässig die Zeile verliert. Ich schneide ihm aus einem Blatt Papier eine Zeile aus, damit er nicht ständig verrutsche. Trotzdem liest er stockender als in der ersten Klasse, lässt Wortendungen und ganze Wörter aus oder dreht die Buchstaben um. Sein erstes Diktat kann ich kaum entziffern. Seine Handschrift ist lausig. Gross- und Kleinbuchstaben sind praktisch gleich gross. Er macht viele Flüchtigkeitsfehler und merkt es nicht. Wir ermahnen ihn, sorgfältiger zu arbeiten. Obwohl er den Stoff schnell versteht, versagt er, sobald er das Gelernte aufs Papier bringen muss. Mit jeder schlechten Note sinkt sein Selbstbewusstsein.Die Migräne wird M.'s ständiger Begleiter, er fürchtet sich vor der nächsten. Wir beschliessen, es mit Akupunktur zu versuchen. Als wir eines Tages in der Arztpraxis warten, stosse ich auf einen Artikel über Kopfweh und verstecktes Schielen. M. schielt kaum wahrnehmbar. Ich zeige M. dem Augenarzt und er bestätigt, dass M. ein latentes Schielen von zwei bis drei Grad habe. Er wolle ihm aber keine Brille geben, weil das Kopfweh nicht daher rühren könne. M.'s Kopfweh fange hinten am Kopf an und wandere nach vorne. Wenn die Augen der Grund für das Kopfweh wären, hätte er es hinter den Augen. Allerdings sei M. ein wenig weitsichtig. Weil er im Wachstum sei, sollten wir ihn in einem halben Jahr nochmals zeigen.Ich kann nicht glauben, dass das Schielen nicht der Grund sein soll für M.'s Migräne und gehe aufs Internet. Inner-halb von fünf Minuten stosse ich auf einen Artikel über „Winkelfehlsichtigkeit“ von Dr. Uwe Wulff. Ich überfliege ihn und zeige ihn meinem Mann. Noch im Stehen fängt er an zu lesen und sagt immer wieder: „Das ist unser Kind, das ist unser Kind!“ Ich kopiere den Artikel und schicke ihn dem Augenarzt mit einem Begleitbrief. Nach ein paar Tagen meldet er sich telefonisch, M. habe kein verstecktes Schielen und dass er weitsichtig sei, habe er mir gesagt, er schicke ein Rezept für eine Brille. Obwohl wir mitbekommen haben, dass Prismenbrillen ein kontroverses Thema sind, sind wir überrascht über die ablehnende Haltung des Augenarztes.Jetzt geht mein Mann aufs Internet und sucht einen Optiker. Sofort haben wir das Gefühl wir seien in guten Händen. Er beschäftigt sich praktisch nur mit M. Als er ihn fragt, ob er „Blitze“ in den Augen habe, werden M.'s Augen tellergross. Endlich eine Erklärung! Der Optiker bestätigt, dass M. winkelfehlsichtig sei, in der Horizontalen und in der Vertikalen. Wir können kaum erwarten, bis wir die Brille abholen können. Als M. sich die Brille zum ersten Mal aufsetzt, ist er ganz erstaunt, dass er „tief“ sehe. Die ersten ein, zwei Tage schaut er beim Gehen auf den Boden und zieht die Beine hoch, als müsste er über ein Hindernis steigen. Er liest sofort wieder fliessend. Aber alles rührt ihn zu Tränen, es ist, als ob die ganze Anspannung der letzten Jahre sich lösen würde. Nach einer Woche erst zeigen sich Anpassungsschwierigkeiten. M. ist sofort wieder im Alarmzustand und in Panik. Nach ein paar Tagen sind die Schwierigkeiten wieder überwunden.Nachdem M. die Prismenbrille erhalten hat, war er ein Jahr lang migränefrei. Heute hat er nur noch selben eine Migräne und seine Schulleistungen haben sich stark verbessert. Er ist insgesamt ausgeglichener und fröhlicher. Er musste nie mehr mit dem Fahrrad in die Schule fahren, um Vergessenes zu holen; es ist, als ob sein Kopf endlich frei sei, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.S. P., Mutter von M.





WINKELFEHLSICHTIGKEIT

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